Wer hat denn hier die Griffe gestohlen?

13 Seillängen, nasse Platten, brennende Waden, schmerzende Zehen, viel Spass und gegenseitige Unterstützung.

Treffpunkt war um 08:30 Uhr in Visp, bereit für einen Klettertag im Val d’Ossola. Unser Ziel war die Route ‘Il Solitaire’ im Gebiet ‘Fort Apache’ – eine rund 350 Meter lange Mehrseillängenroute mit 13 Seillängen im moderaten Schwierigkeitsgrad um 5b.

Nach einem kurzen Zustieg von etwa 15 Minuten standen wir vor der markanten, nach Südwesten ausgerichteten Gneis-Plattenwand.

Wir haben die Gruppe in eine Dreier- und eine Zweierseilschaft aufgeteilt. Michi freute sich schon, den ganzen Tag mal nachzusteigen, Martina machte ihm dann aber im Verlauf vom Tag einen Strich durch seine Rechnung.

Die Route versprach kompakte Platten, viel Reibung und sehr wenig Griffe. Und als wäre die Reibungskletterei nicht schon anspruchsvoll genug, waren einige Seillängen ordentlich nass. Während andere bei solchen Bedingungen vielleicht etwas nervös werden, stieg Pascal die glitschigen Platten souverän hoch, ohne eine Miene zu verziehen. Ein paar der nassen Seillängen, ist er für alle fünf Teilnehmenden vorgestiegen, bis dorthin, wo der Fels wieder trockener wurde.

Mental forderte uns die Route teilweise ganz schön heraus. Es hiess: präzise antreten, Gewicht verlagern, Vertrauen in die Reibung haben und möglichst ruhig bleiben. Neben der mentalen Herausforderung machten sich auch Schmerzen in den Waden, an den Fusssohlen und den Zehen bemerkbar. Doch trotz aller Konzentration und gelegentlichem Nervenkitzel hatten wir viel Spass und kletterten Seillänge für Seillänge nach oben.

Die 13. und letzte Seillänge: Es heisst, in dieser befindet sich die Schlüsselstelle. Wenn es die steile Platte am Anfang der Seillänge ist, ist Martina einverstanden. Sollte aber das «Dach» am Ende der Seillänge gemeint sein, ist sie nicht einverstanden. Nach all den Metern auf den griffarmen Platten fühlte sich diese Stelle fast wie ein Geschenk an – endlich ein paar richtige Griffe.

Der Abstieg erfolgte entlang der Route durch Abseilen. In Zweier-Teams kamen wir einigermassen zügig voran. Pascal bildete das Schlusslicht und räumte alles sauber ab.

Auf dem Rückweg legten wir noch einen Zwischenhalt in Gondo ein und liessen den Klettertag gemütlich ausklingen. Als wir am Abend nach Hause kamen, waren wir zwar alle ziemlich müde, aber auch sehr zufrieden.

Ein grosses Dankeschön geht an Pascal für die grossartige Leitung dieser Tour, ebenso danke an Michi für den Transport und danke an beide sowie auch an Fabienne und Claudio für den tollen gemeinsamen Tag.

Tourenleitung Michael
Seilführerin Martina
Bericht Martina
Fotos Alle
Teilnehmende Claudio, Fabienne, Michael