Lieber vor den vielen „Dornröschen“ aufbrechen und die Gipfel in Ruhe genießen


Leider gab es für diese lange, aber wunderschöne Tour über die Dômes de Miage zunächst keine Anmeldungen. Gerade als ich dachte, die Tour müsse abgesagt werden, meinten Urs und Samuel plötzlich ganz motiviert, sie würden doch gerne als Teilnehmer mitkommen. Und so starteten wir zu dritt: eine Tourenleiterin und zwei Seilführer – geschickt als „normale Teilnehmer“ getarnt – am Samstag um 10 Uhr von Les Contamines Richtung Refuge des Conscrits. Schon der Hüttenzustieg gab den Ton dieser Tour an: 1600 Hm über 9km. Aus dem Wellnesswochenende wird wohl nix. Damit die Jungs bei Laune bleiben, schlug ich pünktlich um Mittag eine Pause im Refuge de Tré-la-Tête vor. Die Getränke waren kalt und erfrischend, in der Küche wurde heftig diskutiert, und die Omelette mit Speck und Käse lieferten, laut Samuel, allerdings nicht genug Energie für die noch fehlenden 900 Höhenmeter. Trotzdem – leicht „omelettengeschwächt“ – standen wir um 16 Uhr vor der Hütte. An der Hütte angekommen, haben wir direkt mitbekommen, dass die Hütte ausgebucht sei. So habe ich mich für einen frühen Start entscheiden. Denn es war klar: bei dem Schnarch-Konzert wird man kein Schönheitsschlaf verpassen. Also lieber vor den vielen „Dornröschen“ aufbrechen und die Gipfel in Ruhe genießen.


Um 4 Uhr ging es los. Begleitet von nur wenigen Stirnlampen marschierten wir zunächst flach Richtung Glacier de Tré-la-Tête und dann etwas steiler hinauf zum Col de Miage. Den Sonnenaufgang – inklusive beeindruckendem Schatten des Mont Blanc – durften wir bei einer kurzen Pause auf dem Gletscher genießen. So im Halbschlaf standen wir plötzlich schon vor 7 Uhr auf dem ersten Gipfel von Dômes de Miage. Nach einer kurzen Pause mit grandioser Aussicht auf Mont Blanc, Bionnassay, Dôme du Goûter, Dents du Midi, Écrins und viele andere ging es elegant über den schmalen Schneegrat weiter zu Dôme Nr. 2 und 3. Nach dem dritten Gipfel führte der Weg steil über den Glacier d’Armancette hinüber zur Aiguille de Bérangère. Auch dorthin stiegen wir wieder über einen schmalen Schneegrat mit dem einen oder anderen kleinen Felsaufschwung. Auf dem vierten Gipfel angekommen, holten wir uns von dem französischen Bergführer noch den letzten Rat über einen alternativen Abstieg. Wenn man den Höhenunterschied schon nicht verkürzen kann, wollte Samuel wenigstens wissen, wie man die Distanz minimiert. Schließlich warteten auf uns noch rund 2600 Höhenmeter Abstieg nach Les Contamines. Gegen 9 Uhr machten wir uns auf diesen alternativen Weg. Und plötzlich – zack – standen wir um 11:30 Uhr mit ordentlich gepumpten Oberschenkeln schon 1800 Höhenmeter tiefer wieder vor dem Refuge de Tré-la-Tête. Nach dem Mittagessen mussten wir allerdings zugeben: ein bisschen müde waren wir inzwischen schon. Die restlichen 800 Höhenmeter würden uns wohl nicht mehr ganz so leichtfallen. Aber als wir uns auf der Terrasse umsahen, wurde schnell klar: unsere Mit-Gipfelstürmer an den anderen Tischen sahen auch nicht gerade wie frisch von Bäcker aus. Eher so als ausgetrocknete Brötchen…

Dank der Carbonara – die offenbar deutlich mehr Energie liefert als eine Omelette – schafften wir schliesslich auch noch die letzten Meter bis nach Les Contamines. Dort gönnten wir uns zum Abschluss einen großen Eisbecher mit Blick auf die Dômes-de-Miage-Traverse, den Glacier d’Armancette und die Aiguille de Bérangère.… mit dem Lächeln im Gesicht und gepumpten Oberschenkeln…

Danke euch, Jungs, fürs Mitkommen und für dieses großartige Abenteuer! Die Oberschenkel sind definitiv bereit für die Saison.

| Tourenleitung | Vedrana |
| Bericht | Vedrana |
| Fotos | Alle |
| Teilnehmende | Urs, Samuel |
