Spannende Gratkletterei mit grandioser Aussicht

Nach dem Teil 1 Einlaufen Lagginhorn Südgrat ging es weiter mit Zinalrothorn.

Wir trafen uns morgens um 7 Uhr im Zug, das heisst Eelco war bereits im Zug und Martin und Angela trafen sich auf dem Perron in Visp. Eelco stoppte genau vor ihnen. Das Zugglück gab es auch am Gipfeltag in Zermatt, als wir mit dem letzten Zug das Tal wieder verliessen, aber dazu später mehr.

Der Bus brachte uns gemütlich mit zweimaligem Umsteigen nach Zinal, von wo aus wir den Hüttenzustieg in Angriff nahmen. Carsten stiess kurz vor Zinal zu uns; er reiste bereits am Vortag an.

Das Tal ist extrem idyllisch, nach den alten Kupferminen ging es zuerst über eine neue schön geschwungene Holzbrücke, ähnlich wie die im Verzascatal, nur viel länger über das breite Flusstal. Später folgte noch eine Hängebrücke über ein tiefes steiles Tobel, wo wir uns beim besten Willen nicht vorstellen konnten wie Eelco das ohne Brücke vor Urzeiten überwinden konnte. Oben wurde es wieder etwas flacher und die warmen Felsen luden zum Verweilen ein.

Kaum in der Hütte angekommen, liessen wir uns eine richtige Walliser Käseschnitte servieren und füllten unsere Energiespeicher bis zum Rand auf. Die Spaghetti Bolognese beim Z’nacht erledigten den Rest. Am Abend verzogen sich die Wolken und der Grat zum Zinalrothorn zeigte sich von seiner schönsten Seite.

Schon bald sagten wir uns einander gute Nacht, denn kurz nach 2 Uhr hiess es Tagwacht.

Wie immer in den Hütten verstanden wir jedes Wort, das noch im Esssaal geredet wurde und später hörten wir alle die nach draussen aufs WC mussten und die Tür nicht sanft schliessen konnten. Man meint sich die ganze Nacht nur hin und her gedreht zu haben und trotzdem hatten wir uns gestreckt und zwischendurch wohl auch geschlafen. Als Carsten sich weckte wusste ich, dass ich mich noch einmal drehen durfte. Aber als sich dann Eelco bereit machte, war es für mich höchste Zeit und ich war dann trotzdem Erster an unserem Frühstückstisch. Für eine Hütte reichhaltig und fein.

Bald schon waren wir unterwegs, beim Gletscher zogen wir Gstätli und Steigeisen an. Zuerst recht flach, danach ein paar Spalten und auf der Schulter wurde es immer steiler. Mittlerweile wurden die ersten Berggipfel vom Morgenrot beleuchtet und einer dieser Spitzen kam uns so richtig bekannt vor, auch wenn nicht der ganze Berg sichtbar war: das Horu.

Von jetzt an machten wir Zweier-Seilschaften und genossen die spannende Gratkletterei mit grandioser Aussicht. Nur der Wind war noch etwas kritisch, gestern wurde sogar der Aufstieg abgebrochen wegen zu starkem und böigem Wind. Auch wir merkten bald wie unangenehm er war, ein Stirnband unter dem Helm reichte nicht, bald schon wurde noch die Kappe darunter und die Kaputze darüber gezogen. Auch die Daunenjacke blieb nicht mehr lange im Rucksack liegen.

Schon bald kamen die Fotosujets Rasierklinge, the boss und das Gipfelkreuz und einige Seilschaften die uns querten.

Laggin sei Dank spürte ich die Höhe praktisch nicht und Wolken oder Gewitter waren weit und breit keine zu sehen.

Ohne Zeitdruck machten wir uns auf den Abstieg und mit zwei Seilen waren wir auch recht zügig auf den Abseilstellen. Angela bereitete immer gleich die nachfolgenden Abseilstelle vor, während wir noch am Abseilen waren.

Auf dem Firngrat angekommen informierten wir unsere Lieben dass das Gröbste überstanden ist, aber wir befanden uns immer noch auf 3900 müM.

Genau gleich wie beim Laggin wollte zuerst die Rothornhütte einfach nie auftauchen und danach dasselbe Spiel mit der Trifthütte, aber dort gönnten wir uns ein Bier und stiessen auf die wunderschöne Tour an. Übrigens ist die Hochebene wie auch Abstieg um das „Hotel du Trift“ ein Geheimtipp, aber ihr Saaser kennt das sicher schon. Idyllisch wie aus dem Bilderbuch machten wir uns auf den letzten Teil der Bergtour und bewegten unsere müden Knochen talwärts. Carsten merkte bald, dass er es nicht mehr nach Hause schaffen wird und so buchte er sich gleich ein Zimmer in Zermatt. Die anderen Drei schafften gerade noch den letzten Zug nach Brig und Angela konnte vor dem Einsteigen einen Snackautomaten plündern. Glücklich und zufrieden genossen wir die Ruhe und das Sitzen im Zug und Einer schlief tief und fest.

Tourenleitung Eelco
Bericht Eelco
Fotos Angela, Carsten, Martin, Eelco
Teilnehmende Angela, Carsten, Martin